Nummer 2/2022
Kultur in der Blechturmgasse

In Wien ist man an vielen Orten von eindrucksvoller Kunst und Kultur umgeben. Dass man diese auch unmittelbar vor der eigenen Haustür zu finden kann, ist vielen aber unbekannt.

Vor kurzem war ich im MAK in der Sonderausstellung 'Josef Hoffmann Fortschritt durch Schönheit'. Eine wirklich gelungene Präsentation der Ideen und Werke eines großen Architekten und Designers des beginnenden 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Joseph Maria Olbrecht entstand die Sezession und mit Koloman Moser begründete Josef Hoffmann die Wiener Werkstätten. Zu seinen bekanntesten Bauwerken zählen in Österreich das Sanatorium in Purkersdorf und in Brüssel das Palais Stoclet mit einem Fries von Gustav Klimt. Schönheit durch Gestaltung in das Leben seiner Kunden zu bringen, war für ihn gleichbedeutend mit ästhetischem und sozialem Fortschritt, wobei er in der Blütezeit seines Schaffens großen Wert auf hohe handwerkliche Qualität und kostspielige Materialien legte.

Weniger bekannt ist allerdings, dass Josef Hoffmann auch als Architekt für Wiener Gemeindebauten tätig war. Er tat dieses in der Zwischenkriegszeit und nach dem 2. Weltkrieg. Erwähnenswert sind da der Klose-Hof und ein Bau in der Silbergasse, beide in Wien 19. Es war offenbar dem Architekten Josef Hoffmann zu verdanken, dass für die nach dem Krieg verarmte Bevölkerung kleine, sogenannte Duplex-Wohnungen mit ca. 22m konzipiert wurden, die später zu einer normalen Wohnung zusammengelegt werden konnten. Und jetzt einen Trommelwirbel, tata! Auch in der Blechturmgasse 23 - 27, also genau vis-a-vis dem 20er Haus, steht ebenfalls ein von Josef Hoffmann geplanter (Anm.: sehr schmuckloser und wenig attraktiver) Gemeindebau. Nach diversen Renovierungen sind nur die für Hoffmann typischen quadratischen Fenster neben und über dem Eingang und im Stiegenhaus übrig geblieben.


Auf diesen Bau wurde ich durch die an der Wand der Schauräume angebrachten
Lebensabschnitte von Josef Hoffmann aufmerksam.



Die Ausstellung im MAK zum 150. Geburtstag von Josef Hoffmann geht noch bis zum 19. Juni 2022 und ist sehr zu empfehlen. Sie zeigt unter anderem, wie sich der Architekt und Designer im Laufe seines Lebens in seinem Stil angepasst bzw. verändert hat, aber immer dem 'Würferl-Hoffmann' treu geblieben ist.

Text und Bilder: Phil-x Newton
Kontakt für allfällige Rückmeldungen:
blech-bote@aon.at

zuletzt geändert: 10.02.2022 um 18.31 Uhr